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Der eine Prozentpunkt
Ein junger Schüler wanderte viele Tage durch die Berge,
um einen alten Mönch aufzusuchen.
Als er das Kloster erreichte, verbeugte er sich und fragte:
„Meister, wie findet man Weisheit?“
Der Mönch lächelte und zeigte auf den Himmel.
Dort zogen Wolken vorbei.
„Was siehst du?“
„Wolken“, antwortete der Schüler.
„Und was noch?“
Der Schüler betrachtete den Himmel lange.
Schließlich schüttelte er den Kopf.
„Nichts weiter.“
Der Mönch nickte.
Viele Stunden saßen sie schweigend da.
Erst als die Sonne unterging, sprach der Mönch erneut:
„Die meisten Menschen sehen etwas und glauben,
nun alles gesehen zu haben.“
„Sie hören etwas und glauben,
nun alles verstanden zu haben.“
„Sie erkennen etwas und glauben,
nun die Wahrheit zu besitzen.“
Der Schüler dachte lange darüber nach.
„Und wie erkenne ich die Wahrheit?“
Da begann der alte Mönch zu lachen.
„Indem du einen kleinen Platz freihältst
für das, was du noch nicht siehst.“
Wieder schwiegen beide.
„Wie groß sollte dieser Platz sein?“
Der Mönch lächelte.
„Vielleicht ein Prozent.“
Der Schüler verstand nicht.
Viele Jahre später erinnerte er sich an diesen Tag.
Da erkannte er,
dass Weisheit nicht darin besteht,
immer recht zu haben.
Weisheit beginnt dort,
wo wir Platz für den einen Prozentpunkt lassen,
den wir noch nicht sehen.
Wer nicht mehr über sich selbst lachen kann,
wird Gefangener seiner eigenen Geschichte.
Doch:
Wer wieder über sich selbst lachen kann, entdeckt, dass die Tür nie abgeschlossen war.
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